Aktuelle Entwicklungen der revolutionären Gentherapie CRISPR/Cas9


Im Juni 2017 haben wir uns in einem Artikel mit der CRISPR/Cas9 Gentherapie auseinandergesetzt. Seither ist einige Zeit vergangen, aber was hat sich in der Zwischenzeit im Zusammenhang mit der revolutionären Therapie getan?


CRISPR/Cas9: eine «zielgerichtete» Therapie


Durch das gentechnische Verfahren CRISPR/Cas9 sollen Erbkrankheiten wie Sichelzellenanämie, Chorea Huntington und weitere Krankheiten wie HIV erfolgreich behandelt werden können. Der CRISPR/Cas Mechanismus agiert dabei als eine Art Genschere, die spezifische Abschnitte der DNA präzise erkennen und die DNA am gewünschten Ort zerschneidet kann. Dadurch können Bausteine der DNA gezielt editiert werden.


Behandlung der Beta-Thalassämie


Das gentechnische Verfahren wird bislang noch nicht kommerziell eingesetzt, sondern anhand von Studien untersucht. Forschern des Universitätsklinikum Regensburg ist es nun erstmals gelungen, eine 20-jährige Patientin mit der angeborenen Bluterkrankung Beta-Thalassämie mit CRISPR/Cas9 erfolgreich zu behandeln. Die Beta-Thalassämie ist eine Erkrankung des blutbildenden Systems, wodurch die Hämoglobinbildung gestört wird. Bei Personen, die an einer Beta-Thalassämie leiden, kann durch die Blutkörperchen nicht genügend Sauerstoff in die Zellen transportiert werden, deshalb kommt es bei ihnen zu einem Sauerstoffmangel. Um dem entgegenzuwirken sind Betroffene auf regelmässige Bluttransplantationen angewiesen, welche wiederum zu lebensgefährlichen Nebenwirkungen wie der Eisenüberladung wichtiger Organe wie Herz und Leber führen können.2


Für die Behandlung werden den Betroffenen blutbildende Stammzellen entnommen, die dann im Labor mit CRISPR/Cas9 behandelt werden. Anschliessend wird das Knochenmark des Patienten/ der Patientin wie bei einer Stammzellentransplantation durch eine Chemotherapie zerstört, die editierten Zellen werden ihm/ ihr durch eine Transfusion wieder verabreicht und bauen das Knochenmark wieder auf.


Der Zustand der behandelten Patientin hat sich seit der Therapie mit CRISPR/Cas9 erheblich verbessert. Ihre Blutwerte sind laut Angaben des Universitätsklinikums Regensburg seit neun Monaten normal und sie hat keine Bluttransfusionen mehr benötigt. Zuvor war sie im Schnitt auf rund 16 Transfusionen pro Jahr angewiesen. Es handelt sich aber bislang um vorläufige Ergebnisse. Zukünftige Studien und Langzeitergebnisse werden zeigen, wie erfolgreich der Einsatz bei der Bekämpfung der Beta-Thalassämie genau ist.2


Weitere Anwendungsmöglichkeiten


Nicht nur als Gentherapie verspricht CRISPR/Cas9 Grosses. Auch in der Diagnostik soll die Genschere in einigen Jahren erfolgreich eingesetzt werden können. Ein Forschungsteam aus Freiburg arbeitet daran, CRISPR/Cas9 zum Diagnostizieren verschiedener Krankheiten, wie zum Beispiel Krebs einsetzen zu können. In ihrer Studie stellen sie einen CRISPR Biosensor vor, der kurze RNA-Teile erkennt, sogenannte Biomarker, die auf bestimmte Krebsarten hinweisen. Die RNA-Analyse erfolgt anhand von Blutproben. Dies soll laut den Forschern schneller und genauer möglich sein als mit bisherigen Methoden. Ziel ist es, in rund fünf bis zehn Jahren einen Schnelltest entwickeln zu können, der direkt in Arztpraxen angewendet werden kann.3


Kommerzialisierungen und klinische Studien laufen an – mit Schweizer Beteiligung


Momentan arbeiten einige an der Börse kotierte Unternehmen daran, CRISPR/Cas9 auch kommerziell nutzen zu können. In diese wurden bereits Milliarden von Franken investiert. Dazu gehören beispielsweise die Schweizer Firma CRISPR Therapeutics AG und Vertex Pharmaceuticals. Andere Unternehmen wie der deutsche Pharma-Konzern Merck arbeiten daran, sich CRISPR-Patente zu sichern und so ebenfalls mitmischen zu können.


Wird in Pubmed mit dem Suchbegriff «crispr» gesucht und mit dem Filter «clinical trial» eingeschränkt, finden sich keine relevanten Studienergebnisse. Recherchiert man klinische Studien finden sich 31 Projekte, von denen wir vier als momentan interessant bezeichnen. Wir haben Ihnen dazu eine Übersicht zusammengestellt.


Übersicht Studien CRISPR

Es bleibt also spannend und wird sich zeigen, wem es zuerst gelingt, eine wirkungsvolle und sichere CRISPR/Cas9-Therapie zu entwickeln und kommerziellen tauglich zu machen, so dass möglichst viele Betroffene davon profitieren können.




1 http://firstaidmarketing.ch/wp/crispr-cas9-die-zukunft-der-medizin

2 https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/regensburg-beta-thalassaemie-erfolgreich-mit-crispr-cas9-behandelt-a-1297599.html

3 https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/adma.201905311

4 Datenbankrecherche in clinicaltrials.gov; Suchbegriff «crispr», accessed 10.12.2019

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