CAR-T-Zelltherapien – die Revolution der Krebsbehandlung oder der Widerstand schlägt das Imperium


Was wir mit der Zulassung der ersten Gentherapie in der Schweiz beobachten, hat – könnte man meinen – einen epischen Kontext: So wie der Widerstandskämpfer Luke Skywalker durch die Jedi-Gemeinschaft trainiert wurde, um seinen vom Weg abgekommenen Vater Darth Vader zu besiegen, werden körpereigene «gute» Zellen des Immunsystems verbessert, damit sie die körpereigenen «schlechten» Krebszellen vernichten.


CAR-T-Zelltherapien sind auf dem Weg, die Zukunft der Krebsbehandlung zu revolutionieren. In den Vereinigten Staaten wurden diese Zelltherapien bereits seit August 2017 von der FDA zugelassen. Mittlerweile ist das Gentherapeutikum von Novartis unter dem Namen Kymriah auch in der EU und der Schweiz zugelassen. Der Ansatz einer solchen Therapie ist schon seit Jahren bekannt. Lange Zeit ist es aber keinem Unternehmen gelungen, einen verlässlichen und funktionierenden Therapieansatz zu entwickeln. Verschiedene Studien versprechen grosse Therapieerfolge bei bestimmten Krebsarten, doch es bestehen erhebliche Risiken und der Preis für eine einmalige Behandlung ist gesundheitsökonomisch ein Risiko.


Kymriah, die zugelassene CAR-T-Zelltherapie


Kymriah ist eine Immuntherapie, die zur Behandlung von bestimmten Formen von Leukämie und Lymphdrüsenkrebs eingesetzt wird. Dabei werden körpereigene Immunzellen eines Individuums gentechnisch verändert, so dass diese die entarteten Krebszellen im Körper angreifen. Dazu wird dem Patienten Blut entnommen, aus dem im Labor T-Zellen isoliert werden. Diese «Killerzellen» des Immunsystems werden anschliessend genetisch so verändert, dass auf ihnen ein CAR-Rezeptor ausgebildet wird. Dadurch können diese gentechnisch veränderten T-Zellen Krebszellen anhand eines speziellen Tumor-Antigens im Körper erkennen und bekämpfen. Die so manipulierten Zellen werden dem Patienten in Form einer Infusion wieder verabreicht.*


Die neuartige Zelltherapie von Novartis verspricht überzeugende Ergebnisse bei der Behandlung von Patienten mit einer speziellen Form von Blutkrebs, der akuten refraktären lymphoblastischen B-Zell-Leukämie (B-Zell-ALL). Bei einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen mit dieser schweren Form von Blutkrebs wurde das Medikament in den USA bereits angewendet. Ein halbes Jahr später war der Krebs bei über 70% der Patienten eliminiert**. Dieses effektive Vorgehen kann auch erhebliche Nebenwirkungen verursachen, nämlich dann, wenn sich das manipulierte Immunsystem gegen gesunde Zellstrukturen wendet oder wenn ein Cytokine-Release-Syndrom (CRS) ausgelöst wird.


Ein bekanntes Beispiel für den Erfolg der CAR-T-Zelltherapie ist Emily Whitehead. Sie erkrankte mit sechs Jahren an einer lebensgefährlichen Akuten Lymphatischen Leukämie (ALL) und erhielt die experimentelle Gentherapie. Während sich die gentechnisch veränderten T-Zellen in ihrem Körper vervielfachten und die Krebszellen angriffen, lag sie wochenlang mit hohem Fieber im Koma, wachte schliesslich auf und ist seither tumorfrei.


Die Heilung hat ihren Preis


Kymriah von Novartis wurde im Oktober dieses Jahres auch in der Schweiz zugelassen. Zurzeit verhandelt Novartis noch mit dem Bundesamt für Gesundheit über den Preis der Behandlung. Der Erwartungspreis liegt bei 370’000 CHF. Mit Kymriah hat sich Novartis nicht einfach ein Medikament patentieren lassen, sondern ein Verfahren. Dieses ist sehr aufwändig, weil es für jeden Patienten individuell hergestellt werden muss.**


Damit sich schwer kranke Patienten das kostspielige Verfahren überhaupt leisten können, wird nun über neuartige Vergütungssysteme nachgedacht. So könnten Krankenkassen mit Novartis vereinbaren, dass sie die Kosten für die Behandlung mit Kymriah nur dann übernommen werden, wenn die Therapie nachweislich ihre Wirkung zeigt. Dafür müsste jedoch klar geregelt werden, wann die Therapie als erfolgreich gilt und wie lange ein Patient anschliessend ohne Rückfall bleiben muss. Diese Fragen zu klären stellt eine grosse Herausforderung für alle Verhandlungspartner dar. In den USA gibt es bereits solche neuartigen Vergütungsmethoden in Form von bilateralen Verträgen zwischen Novartis und den Krankenhäusern. Gemäss den Vereinbarungen erhält Novartis von den Spitälern nur Geld für das Verfahren mit Kymriah, wenn die Patienten auf die Behandlung innerhalb eines Monats ansprechen. Anschliessend lassen sich die Behandlungszentren das Geld von den Versicherern zurückerstatten. Dieses Vergütungssystem ist aber aus Sicht von Novartis problematisch, da der gewünschte Effekt bei Erwachsenen oftmals erst nach 12 Monaten ersichtlich wird.**

Trotz dieser Herausforderungen stellen solche «Pay-for-Performance»-Vergütungssysteme für Pharmaunternehmen eine grosse Hoffnung dar, dass auch zukünftig neue, ebenfalls kostenintensive Behandlungsmittel von den Krankenkassen vergütet werden.


Die Zukunft der Gentherapien


Gilead hat mit Yescarta eine weitere CAR-T-Zelltherapien entwickelt, welche in den USA bereits zugelassen ist. Yescarta soll zusätzlich zur Behandlung von akuter refraktärer lymphoblastischer B-Zell-Leukämie (B-Zell-ALL) bei Kindern und jungen Erwachsenen bis 25 Jahren auch bei erwachsenen Patienten mit diffusem großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL) zugelassen werden. Außerdem soll Yescarta Anwendung bei primärem mediastinalem grosszelligen B-Zell-Lymphom (PMBCL) nach zwei oder mehr erfolglosen systemischen Therapiezyklen finden. Es werden laufend weitere Zelltherapien entwickelt mit dem Ziel auch örtlich festgesetzte Tumore behandeln zu können. Bisher haben diese jedoch noch nicht genügend überzeugende Ergebnisse liefern können. Es bleibt aber weiterhin spannend.


Wir bei First Aid Marketing, haben uns bereits vor 20 Jahren intensiv mit der Erforschung und Kommerzialisierung von Zelltherapien beschäftigt und freuen uns über die Marktzulassung der ersten Gentherapie. First Aid Marketing ist somit Spezialist in diesem medizinischen innovativen Bereich und beobachtet laufend die Entwicklung von neuen Gentherapien inklusive deren Vorteile und Nachteile. Dadurch sind wir auch über die Herausforderungen, wie beispielsweise die hitzig diskutierte Kostenfrage, stets informiert. Wenn Sie Fragen oder Anmerkungen haben oder an unserer Unterstützung interessiert sind, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.




*https://immuntherapiekrebs.de/gentherapie-kostet-470-000-novartis-therapie-gegen-leukaemie-in-den-usa-zugelassen/

** https://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/novartis-verlangt-370-000-franken-fuer-neues-krebsmittel/story/18645450

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